Vorstadthochzeit anno 1905 e.V.
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Historie

Münchner Vorstadt-Hochzeit anno 1905
Ein kulturhistorisches Erbe von Karl Arnold, Ludwig Thoma, Olaf Gulbransson, Liesl Karlstadt, Ludwig Schmid-Wildy, Michl Lang, Ernst Maria Lang & Co.

Es war im Jahr 1908, da hatte ein gewisser Karl Arnold eine Idee. Er, der „zugereiste“ Karikaturist, Mitarbeiter des Simplicissimus und Treibauf einer Schwabinger Runde, zu der die Maler Albert Weisgerber, Willi Geiger, Max Unold und andere gehörten, ersann die Münchner Vorstadthochzeit.

Es war zwar die Zeit der legendären Künstlerfeste, wie zum Beispiel des „Bauernkirtas“ beim alten Schwabinger Wirt und in der „Blüte“, einer urgemütlichen Stätte in der Blütenstraße, wo die „ Gaukler“, „Argonauten“ und der „Modellball“ triumphierten. Doch das Ganze wurde durch die jährliche Wiederholung alsbald zur Routine und „fad“. Deshalb kreierte er zusammen mit seinen Künstlerkollegen ein noch nie dagewesenes Fest, inspiriert und angestachelt durch das überaus breit gefächerte Treiben allerorten in der Stadt, sowie auf den zahlreichen Brettlbühnen. 

Komiker, Varieté und Kabarett, Brettl-Lieder und Couplets bevölkerten um die Jahrhundertwende die Wirtshäuser und Bühnen von München, Berlin und Wien. Musikalische Kommentare zum Zeitgeschehen standen dort ungebrochen neben ungehemmter Belustigung. Die große Politik diente ebenso als Zielscheibe wie der kleinbürgerliche Alltag. Namen wie Papa Geis, Weiß Ferdl und Karl Valentin erinnern an diese Blütezeit des Couplets. Volksnahe Unterhaltung auf hohem künstlerischem Niveau.

 

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Arnold hatte nun die Absicht, mit einem Kostümball eine ehrbare Münchner Vorstadthochzeit zu parodieren!

Für dieses Fest ging man in den Arzberger Keller und was Arnold aus seiner kleinstädtischen Kindheit her bestens kannte, ließ er dabei – mit höchst originellen Einfällen ausgestattet – aufmarschieren.

Da gab es dann den Einzug des Veteranenvereins, des Gesangvereins oder die Parade des Jungfrauenvereins. (Die Jungfrauen haben sich übrigens bis heute gehalten!) Und, natürlich Volkssänger, die das Ganze satirisch begleiteten.

An einem weißgedeckten Tisch saß das Brautpaar samt Verwandtschaft, in einem Kinderwagen wurde bereits vorhandener Nachwuchs hereingeschoben.

König Ludwig I. erschien in einem Theaterstück, auch Kaiser Wilhelm II. fehlte nicht, im Lodenanzug mit Kürassierhelm, auf der Suche nach Ludwig Ganghofer...

In den 20er Jahren wurde es still um die „Münchner Vorstadthochzeit“, das Fest geisterte als wehmütige Erinnerung herum. Zwei Jahrzehnte vergingen, München lag im Schutt, da arrangierte 1951 eine kleine Gruppe im Kreuzbräu in der Hackenstraße das Fest neu. 

Aber erst 1958 nahm die Vorstadthochzeit wieder Fahrt auf, angeschoben durch ein Komitee bestehend aus den Rechtsanwälten Claus Bastian und Hans Pixis, dem bayerischen Dramatiker Hans Fitz und seiner Frau Ilse, dem Innenarchitekten Hans Ley und dem Bohemien Edi Sohler.

Die Damen und Herren nutzten ihre weitverzweigten gesellschaftlichen Beziehungen in der Stadt, um die richtigen Leute einzuladen. Hinzu kamen u.a. Künstler wie Ernst Maria Lang, Ludwig Schmid-Wildy und Größen aus Politik und Wirtschaft, wie der weltweit agierende Messeunternehmer Dr. Joachim Hietzig, die sich um den Erhalt des Festes große Verdienste erworben haben.

Das Fest im „Zum Franziskaner über der Klause“ in Harlaching besaß einen unvergleichlichen Glanz. Alles kam in der Mode um die Jahrhundertwende: Leutnants in himmelblauen bayerischen Uniformen, Coleurstudenten, Lebemänner, Maler, Literatenbohemiens, Vorstadttypen und atemberaubend korsettierte Damen. Der Einzug der Jungfrauenkongregation „Weiße Lilie“ war ergreifend, ihr falscher Gesang rührte zu Tränen. 

Das Brautpaar erlebte beim Hochzeitsessen rührselige Ansprachen und einen handfesten Krach.

Und dann kam das „Festspiel“, bei dem jetzt Märchenkönig Ludwig II. als Volksbeglücker auftrat. Dargestellt wurde er vom hünenhaften Karikaturisten Ernst Maria Lang.

Seither sind viele Jahre vergangen, aber der Geist aus den Anfängen weht immer noch auf diesem Künstlerball! 

Und so darf man jährlich bei der „Vorstadthochzeit“ interessante „Gestalten“, pfiffige Einlagen, skurrile Darbietungen und vor allem viel Musik erwarten.

Schwelgen in nostalgischen Klängen, und das Tanzbein schwingen (Münchner Francaise, Polonaise, Polka, Walzer…). 

In Kleidung und Kostümen um 1905: Vom Bäcker bis zum Baron, vom Küchenmädel bis zur Komtesse ist alles erlaubt! Auch die echte Tracht ist gern gesehen.

Bis heute feiert das Münchner Künstlertreiben mit der „Vorstadt-Hochzeit anno 1905“ fröhliche Urständ mit der P a r o d i e einer „ehrbaren Vorstadthochzeit“ und sieht sich damit in einer stolzen Tradition mit einstigen Aktiven und Ballbesuchern wie Ludwig Thoma, Olaf Gulbransson, Liesl Karlstadt, Ludwig Schmid-Wildy, Michl Lang oder Ernst Maria Lang. Die Mitglieder des Vereins, VORSTADT-HOCHZEIT anno 1905 e.V., bringen darüber hinaus ein erhebliches Maß an Enthusiasmus und ungezählter Stunden freiwilliger Arbeit auf, damit dieses, mittlerweile zur Rarität gewordenes Münchner Künstlerfest, seit über 100 Jahren in stets neuer Blüte erstrahlt. In der jüngeren Vergangenheit waren es vor allem auch bekannte Münchner Schauspieler, Maler, Volkskünstler, Funk- und Fernsehschaffende, wie Conny Glogger, Winfried Frey, Johannes Hitzelberger sowie Jürgen Kirner, die die Idee weiterführten, aber auch dem Fest inhaltlich belebende, neue Impulse gaben. 

Das traditionelle skurrile Kostümfest bekannter bayerischer Volkskünstler, Schauspieler, Kabarettisten und Maler lebt also besser denn je weiter und wird von  vielen Besuchern und „Fans“ geschätzt, als „der schönste Münchner Künstlerball“!


Jürgen Kirner